Gedanken auf dem Weg zur Praxisgründung – Traum und Albtraum sind manchmal nah

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Nach meinem Abend ewiger Suche im Internet nach meiner Traumpraxis bin ich vorerst ruckzuck eingeschlafen. Ich war völlig gerädert und trotzdem konnte ich gedanklich nicht ganz abschalten. So fühle ich mich heute morgen auch. Meine REM-Phase war bestimmt überdurchschnittlich…ich werde mir die Schlafdaten in meiner App mal lieber nicht ansehen. Bei dem Anblick der Tatsache, dass ich unruhig geschlafen habe, fühle ich mich sofort noch erschlagener als eh schon.

Der Traum von der eigenen Praxis

Diese Nacht habe ich im Traum meine eigene Praxis betreten. Ich habe alles genau vor meinem inneren Auge. Die graphitfarbenden Böden, die Wände und Möbel in schlichtem Weiß. Die Türen der Behandlungszimmer sind aus Milchglas und darauf ist ganz dezent mein Logo abgebildet. Die Deko ist elegant und alles wirkt total ansprechend. Mein Traum war tierisch realistisch und ich habe mich richtig gut gefühlt. Mein Team trägt einheitliche Poloshirts und arbeitet Hand in Hand….bis auf die Eine…die eine schwierige Mitarbeiterin.

Ich kenne diese Bombenleger schon aus meinem Arbeitsalltag. Eine Mitarbeiterin kann das gesamte Team in Aufruhr bringen.

In meiner Träumerei war es ein einziges Chaos. Ewiges Geläster, ungründliche Arbeiten, kleine Stichelein und eine völlig irritierte Mannschaft. Der Fokus, der eigentlich auf unsere Praxiswerte und -ziele ausgerichtet ist, hat sich in wenigen Sekunden komplett verschoben. Auf einmal läuft alles über die Beziehungsebene und jede Sachlichkeit geht flöten. Nur stehe ich in der Verantwortung das Team wieder neu auszurichten und die schlechte Stimmung zu beheben.

Vom Traum zum Albtraum

Heute Nacht, in meinem Traum, ist es gänzlich eskaliert. Meine Mitarbeiterinnen wurden ständig unzuverlässiger, fließende Tränen, etliche Krankschreibungen und ein häufiger Personalwechsel. Plötzlich merke ich, wie mich alles überfordert. In mir steigt das ungute Gefühl auf, dass ich diese Situation nicht bewältigen kann. Ich bin doch die Zahnärztin und meine Zeit benötige ich für meine Patienten und deren Behandlung. Was währenddessen hinter meiner Milchglastür geschieht, kann ich nur erahnen. So sehr wünsche ich mir einen Quotenmann daher. Angeblich ist es doch viel einfacher, wenn ein Mann ins Team gehört. In meinem Traum gehe ich immer unlieber in meine Praxis, weil mich eine erdrückende Stimmung erwartet.

Bin ich der Verantwortung gewachsen?

Beim Frühstück lasse ich die Bilder revue passieren. Mannomann, das könnte tatsächlich so eintreten. Mir ist ganz mulmig zu Mute.

Bisher ist es ja ganz einfach. Als angestellte Zahnärztin betrifft mich das Szenario in der Praxis nur ein wenig. Oftmals stört mich zwar das Klima, wenn die Stimmung mal kippt….trotzdem brauche ich mich nicht all zu sehr damit beschäftigen. Natürlich arbeite ich gerne mit einem motivierten und fröhlichen Team. Aber ich kann das Weite suchen, wenn es mir zu wild wird. Sobald ich Chefin bin, besteht diese Option nicht mehr.

An diesem Morgen in der Teamsitzung beobachte ich das Geschehen genau. Mein Chef leitet die Runde und so manche Aussage hätte ich wahrscheinlich anders gewählt.
Ich bin ziemlich fit in der Kommunikation und mir fällt es leicht meine Leute zu loben und konstruktiv zu kritisieren. Wie würden wohl die einzelnen Angestellten reagieren, wenn ich meine Art der Formulierung gewählt hätte? Was würde mich als ZFA bewegen, dass ich den Weg meines Chefs einschlage und auf seiner Spur bleibe?

Den ganzen Tag gehe ich viel achtsamer vor als sonst. Ich bin ganz feinfühlig für die Stimmungen der Helferinnen und ich reagiere ganz bewusst so, wie ich es mir selber wünschen würde. Mein Tag läuft großartig. Meine Assistenzen sind gut drauf und alles läuft wie am Schnürchen. Offensichtlich schwabbt meine Einstellung unmittelbar auf meine Umgebung über. In den nächsten Wochen nehme ich mir das dauerhaft vor. Ich nutze das Experiment als Übung für meine Selbstständigkeit. Schließlich bekomme ich diese Fähigkeiten ja nicht mit der Schlüsselübergabe überreicht. Da ich auch nur ein Mensch bin, räume ich mir selbstverständlich Fehler und schwache Momente ein. Genau wie meinen Kolleginnen und Kollegen.

Ich entscheide über meinen Weg!

Beim Abendessen berichte ich meinem Freund von meinem Traum und meinen Erfahrungen in der Praxis. Er ist ein echter Schatz. Anstatt meine Sorgen abzutun, diskutiert er mit mir die verschiedenen Situationen und Charaktere.

Später finde ich mich mit ihm gemütlich eingekuschelt auf dem Sofa wieder. Auf unseren Beinen steht unser Laptop…aus unseren Diskussionen ist handfeste Strategie gewachsen. Im Internet suchen wir nach guten Büchern, die mir das Know-How vermitteln sollen, wie Mitarbeiterführung erfolgreich gestaltet werden kann. Zusätzlich möchte ich mich austauschen und mit Gleichgesinnten zusammenkommen. Ich werde an Seminaren teilnehmen, bei denen ich mich mit anderen Existenzgründern über unmeine Gedanken austauschen kann. Gemeinsam werden wir stärker sein und uns zu tollen Chefs entwickeln. Ich möchte von den Erfahrungen anderer profitieren und mich frühzeitig auf mein Team vorbereiten. So werde ich eine gute Basis schaffen und meine Mannschaft gestalten können.

So hat mich dieses Thema fast 24 Stunden beschäftigt. Jetzt bin ich richtig zufrieden. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht alleine bin und dass ich meine Stärken für meine Mitarbeiter einsetzen kann. Die Arbeit in meiner Praxis wird Freude machen. Vielleicht träume ich ja heute Nacht davon, wie ich voller Vorfreude in meine Praxis marschiere….graphitfarbende Böden, die Wände und Möbel in schlichtem Weiß. Die Türen der Behandlungszimmer sind aus Milchglas und darauf ist ganz dezent mein Logo abgebildet. Die Deko ist elegant und alles wirkt total ansprechend. Meine Verwaltungsassistentin lächelt mir freundlich entgegen und im Aufenthaltsraum höre ich das erste Gelächter meines Teams.

Detlef Diehr Portrait

Hallo, ich bin Detlef Diehr und der Unternehmer hinter Diehr PraxisPlus und der PraxisPlus Gründung. Gemeinsam mit meinem Team begleiten wir Zahnärzte durch die Existenzgründung in die erfolgreiche Praxis.

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